23.9.2021 - 22:35 Uhr
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Lord Sauna
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Das Thema Saunaofen und FI-Schalter ist eine nicht endend wollende Geschichte, warum ist das so? Der Hauptgrund dürfte sein, das die Heizstäbe z.B. bei längerem nicht benutzen Feuchtigkeit ziehen, was in der Folge dazu führen kann, das der FI auslöst.
Sehr schnell kommt dann die Behauptung, man brauche keinen FI für den Ofen, dieser sei ja fest angeschlossen - für einen Ofen brauche man grundsätzlich keinen FI oder der Elektriker will bloß seine teuren Schutzschalter verkaufen. Belege für die Richtigkeit dieser Behauptungen – Fehlanzeige. Hat Bekannter oder Elektriker so gesagt.
Was hat es mit dem FI, im folgenden RCD genannt auf sich?
Die wohl wichtigste Norm in diesem Zusammenhang ist wohl die VDE 0100Teil410 mit dem Titel: Schutzmaßnahmen – Schutz gegen elektrischen Schlag
Die betreffende und zugleich häufigste Schutzmaßnahme wie sie eigentlich in allen Häusern auch zum Einsatz kommt, ist der Schutz durch Abschaltung. Diese kann durch ein Überstromschutzorgan (auch Leitungsschutzschalter oder umgangssprachlich Sicherung genannt) oder durch einen RCD erfolgen. Hierbei müssen die in der Norm genannten Anforderungen erfüllt werden. Diese unterscheiden sich bei den in Deutschland anzutreffenden beiden Netzformen TN und TT Netz, wobei das TN Netz das wesentlich häufiger verwendete ist. Interessierte finden weitere Angaben dazu im Netz. Leider fehlt auch so manchem Elektriker, der nur mit dem TN Netz zu tun hat, das Bewusstsein für die Unterschiede und die sich daraus ergebenden Konsequenzen. Während es beim TN Netz eine sehr kleine Schleifenimpedanz (Zs) gibt, die bei ca. 0,5 bis 2 Ohm liegt, besitzt das TT Netz einen Erderwiderstand der im Regelfall deutlich oberhalb dieser Werte liegt. Warum das wichtig ist, wird sich an den folgenden Beispielen zeigen.
Bei einer 16 A Sicherung des Typs B, wie sie im Haushalt standardmäßig eingesetzt wird, liegt der Auslösestrom beim 5-fachen Nennwert, also 80 A. Wenn wir jetzt im TN Netz selbst den ungünstigen 2 Ohm Wert annehmen, kommen wir bei der Netzspannung von 230 V gemäß dem ohmschen Gesetz im Fehlerfall auf einen Strom von 115A. Die Sicherung löst also sicher aus und der geforderte Schutz ist vorhanden. Ein RCD ist demzufolge zunächst nicht gefordert.
Wenn wir jetzt im TT Netz dieselbe Rechnung mit einem anzunehmenden Widerstand von 7 Ohm (dieser ist bereits niedrig angesetzt) machen, kommen wir auf einen Strom von 32,9 Ampere. Dieser reicht nicht aus, die Sicherung auszulösen, es fehlt der Schutz. Es muß ein RCD zum Einsatz kommen.
Bis zu einem Erderwiderstand von 100 Ohm darf ein RCD mit einem Nennfehlerstrom von 0,5 A gewählt werden. Bei einem 0,03A RCD dürfte der Erderwiderstand sogar immense 1666 Ohm betragen.
Aus diesem Grunde steht auch in der Norm unter Punkt 411.5.2:
„In TT-Systemen sind im Allgemeinen Fehlerstrom-Schutzeinrichtungen (RCDs) für den Fehlerschutz zu verwenden. Alternativ dürfen Überstrom-Schutzeinrichtungen…..unter der Voraussetzung verwendet werden, dass ein geeignet niedriger Wert von Zs (siehe 411.5.4) dauerhaft und zuverlässig sichergestellt ist.“
Eine pauschale Aussage, das kein RCD benötigt wird, ist somit nachweislich falsch!
Während die VDE 0100Teil410 allgemeine Anforderungen enthält, gibt es für mache Räume noch zusätzliche Anforderungen. Für Saunen ist es die VDE 0100Teil703, die in der jetzigen Form vom Februar 2006 stammt.
In dieser ist es Punkt 412.5 der von Interesse ist:
„Zusätzlicher Schutz durch Fehlerstrom-Schutzeinrichtungen (RCDs)
Der zusätzliche Schutz muss für alle Stromkreise der Sauna durch einen oder mehrere Fehlerstrom-Schutzeinrichtungen (RCDs) mit einem Bemessungsdifferenzstrom nicht größer als 30mA vorgesehen werden, ausgenommen hiervon sind Saunaheizungen.“
Der letzte Teil besagt, es muß kein zusätzlicher Schutz durch eine RCD 30mA für den Ofen installiert werden, sollte nach VDE 0100Teil 410 ein RCD jedoch nötig sein, so bleibt diese Anforderung unverändert bestehen.
So weit so gut und es wäre schön wenn die Betrachtung hier zu Ende wäre, allerdings hat der eben zitierte Punkt auch einen ersten Satzteil. Aus diesem geht hervor, das z.B. die Beleuchtung der Sauna über einen RCD 30 mA zu schützen ist. Sollte also der Ofen und die 230V Saunabeleuchtung über die selbe Steuerung versorgt werden, so wie das bei privaten Saunen wohl meistens der Fall ist, so ist dieser Stromkreis und damit zwangsweise auch der Ofen mit einem RCD 30mA zu schützen. Wohl dem, der einen Ofen mit integrierter Steuerung hat und oder sein Licht anderweitig versorgt.
Somit bleibt abschließend zu sagen, das es keine allgemeingültige Aussage darüber geben kann, ob ein RCD zum Einsatz kommen muß und auf Grund der unter Umständen durch die Ofensteuerung mit versorgte Beleuchtung nicht sogar ein RCD 30mA zwingend gefordert ist.
Als grobe Übersicht könnte man festhalten, das der Ofenstromkreis für sich alleine im Tn Netz ohne und im TT Netz mit RCD anzuschliessen sind. Versorgt dieser Stromkreis gleichzeitig weitere 230V Verbraucher innerhalb der Sauna, so ist immer ein RCD 30mA einzusetzen.
Die Entscheidung muß die Fachkraft, die den Ofen anschließt entsprechend der örtlichen Gegebenheiten treffen und die ordnungsgemäße Funktion der gewählten Schutzmaßnahme durch besichtigen, erproben und messen nachweisen. Das protokollieren der Messwerte ist dabei als selbstverständlich anzusehen.
et kütt wie et kütt un et hätt noch immer jot jejange
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